Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 18.8.2012 um 14:00 in Schongau

Aufruf zur Demo am 18. August um 14 Uhr am Schongauer Bahnhof

Lagerzwang abschaffen. Für ein weltweites Bleiberecht !

Worum es uns geht

Wir schreiben das Jahr 2012 und die Mehrheitsgesellschaft trauert um die verlorene Fußball-EM, während vor Europas Grenzen täglich Hunderte Flüchtlinge ihr Leben lassen müssen und unter anderem auch hier in Deutschland Menschen unter inhumanen Bedingungen leben müssen. In diesem Text möchten wir uns deutlich gegen den hier bestehenden Lagerzwang und dessen Ursachen aussprechen, den Zwang für Migrant_innen, die sich in Deutschland um Asyl bewerben, vorrübergehend in sogenannten Asylbewerberheimen zu leben. Denn wenn Menschen leiden, weil sie nicht ‚deutsch‘ sind, ist das ein Angriff gegen die Menschheit, die Vernunft und das schöne Leben, ein unduldbarer Akt der Gewalt.

Flüchtlingsheim in Schongau

Das Flüchtlingsheim in Schongau besteht seit 1992 und es leben derzeit 44 Menschen darin, darunter 5 Kinder. Diese leben in 22 Zimmern, die jeweils 16 Quadratmeter groß und auf zwei dünnwandige Baracken aufgeteilt sind. Durchschnittlich wohnen zwei Personen gemeinsam in einem Zimmer, die Wohnräume dürfen jedoch mit bis zu vier Menschen belegt werden. In jeweils einer Baracke befindet sich nur eine Gemeinschaftsküche, die sich alle Bewohner_innen einer Baracke teilen müssen. Allein die abgelegene Lage des Heims, in einem vom Schongau 2 Kilometer entfernten Industriegebiet, zeigt schon die Stigmatisierung dieser Menschen durch die Politik auf. Die Anwohner der Unterkunft benötigen zu Fuß für diese Strecke über eine halbe Stunde, es sei denn sie fahren mit dem Bus, der jedoch nur stündlich fährt. Durch diese Entfernung fällt die Knüpfung und Pflege von sozialen Kontakten als auch die Bewältigung alltäglicher Aufgaben schwerer. So wird es den deutschen Bürgern vereinfacht, die von der Regierung als Problem gesehenen Menschen zu ignorieren und sich nicht mit deren inhumanen Lebensbedingungen zu befassen. Sogar die für deutsche Staatsangehörige als selbstverständlich gesehene Möglichkeit einer individuellen Ernährung, wird den Flüchtlingen verwehrt. Hier werden sogenannte Lebensmittelkarten verteilt, auf denen sich Asylbewerber aus einer überschaubaren Anzahl an Produkten die erwünschten Grundnahrungsmittel ankreuzen kann. Hinzu kommen monatlich 40,90 Euro Taschengeld ab dem 15. Lebensjahr, die zwar zur freien Verfügung stehen, mit denen sich aber herzlich wenig anfangen lässt. Ein weiterer Punkt, welcher den Flüchtlingen das Leben erschwert, ist die ihnen auferlegte Residenzpflicht, diese besagt, dass sich ein_e Asylbewerber_in nicht ohne Genehmigung außerhalb seines_ihres Regierungsbezirks aufhalten darf. Des Weiteren ist es einem_einer Asylbewerber_in nicht ohne spezielle Genehmigung gestattet, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, sprich zu arbeiten.

Ein zweites Heim, Rassist_innen und die CSU

Seit einiger Zeit ist in Schongau der Bau eines zweiten Asylbewerberheims geplant, um die Aufnahme von mehr Flüchtlingen, ohne diese auf immer kleinerem Raum zu quetschen, zu ermöglichen. Im Gegensatz zum anderen Asylheim soll das neue Heim in vertretbarerer Lage in der Nähe eines Wohngebiets gebaut werden. Dagegen protestiert jedoch der rassistische Bürgermob, welcher vor sinkenden Grundstückspreisen und ‚Nichtdeutschen’ in seinem Wohngebiet Angst hat. Unterstützt wird dieser Protest von der CSU, wobei sich insbesondere Michael Eberle hervortut. Eberle ist als Richter bekannt für seine besonders harten Urteile, insbesondere gegen Antifaschist_innen und macht sich nun als Vertreter des rassistischen Mobs einen Namen. Momentan sieht es so aus als würde das Asylbewerberheim trotz des Protestes entstehen. Wie sich das ganze weiterentwickelt bleibt zu beobachten.

Flucht und deren Ursachen

Ein Mensch flüchtet nicht ohne Grund aus seinem ‚Heimatland’, sondern weil es ihm einfach nicht möglich gemacht wird, dort ein würdiges Leben zu führen. Die Hauptgründe sind Armut, Hunger, Krieg und politische Verfolgung. Doch schon die Anreise nach Europa wird zur reinsten Tortur, bei der viele täglich ums Leben kommen oder einfach in ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden, Hauptakteur hierbei ist die europäische Grenzschutzorganisation „Frontex“, welche insbesondere im Mittelmeerraum Europas Grenzen gegen wirtschaftlich nicht verwertbare Menschen militärisch abschirmt. Die Erhöhung des Budgets durch die EU für die Grenzschutzorganisation von ca. 6 Millionen im Jahr 2005 auf 88 Millionen im Jahre 2010 zeigt wie groß Europas Interesse ist diesen Kontinent nach außen abzuschotten. Nur in der Zeit zwischen 1988 und 2009 kamen 14.687 Flüchtlinge laut offizieller Zählung an Europas Außengrenzen ums Leben. Die inoffiziellen Zahlen dürften dabei noch weit höher liegen. Besonders nach den Revolutionen und Bürgerkriegen in Nordafrika wird die Zahl, der Flüchtlinge und somit auch der Toten, steigen. Europa reagiert auf diese Entwicklungen, indem sie beispielsweise den Libyschen Übergangsrat dazu verpflichteten, die Internierung flüchtender Menschen, welche unter Gaddafi beschlossen wurde, fortzusetzen.

Was sich ändern muss

Die Frage ist, was Nationalstaaten zu solch Gräueltaten führt, und Mitmenschen in unwürdigen Bedingungen leben lässt. Wir gehen in diesem Text speziell auf Deutschland ein, doch die Kritik lässt sich auf alle anderen Nationen projizieren, auch wenn sich deren Handlungen teilweise in gradueller Hinsicht unterscheiden. Aus den deutschen Asylgesetzen ist zu entnehmen, dass die Unterbringung von Migrant_innen in Lagern die „Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern“ soll. Eine solche Politik hat Deutschland nicht immer geführt, denn beispielsweise wurden in den frühen 60er Jahren Menschen anderer Nationalität sogar massenhaft angeworben um beim Wiederaufbau Deutschlands mitzuwirken und die Wirtschaft anzukurbeln. Im Gegensatz dazu wird heute konsequent und kontinuierlich abgeschoben. Ein anschauliches Beispiel, dass es dem Staat nicht um die Menschen geht, sondern darum den Kapitalismus am Laufen zu halten. Hierbei muss aussortiert werden, welche Bürger_innen für das nationale Konstrukt von Vorteil sind und welche nicht, so werden Menschen, nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit, in nützliches und unnützes Humankapital eingeteilt, ohne Rücksicht auf das Individuum und deren Recht auf Selbstbestimmung. Ein weiterer Grund für Deutschlands Vorgehensweise sind manche Politiker_innen, denen es nicht nur um den Erhalt des Systems geht, sondern die auch aus rassistischer Ideologie Gesetze verabschieden. Da in der BRD zur Zeit ein Mangel an Arbeitsplätzen besteht, wird Deutschen ein Vorrecht auf eine Lohnarbeit ausgesprochen und Asylbewerber_innen mit Arbeitsverbot belegt. Das heißt für sie ist kaum Arbeit vorhanden und in ihren Unterkünften kosten sie dem Staat nur Geld. Deutschland handelt hierbei nicht aus gewollter Boshaftigkeit, sondern schlichtweg nach dem wirtschaftlichen Prinzip des Kapitalismus. Für uns heißt das, dass sich etwas an der Ursache von Deutschlands Handeln ändern muss und diese stellt der Kapitalismus dar. Es sollte nach den Bedürfnissen der Menschen produziert werden und nicht nach Profit. So gäbe es ohne Hunger, Armut und Krieg auch kaum Gründe mehr, um ungewollt aus den Herkunftsregionen zu fliehen. Es wird Zeit, dass sich das Ganze hier und überall ändert, damit alle Menschen mit gleichen Bedingungen und materiell befriedigten Bedürfnissen in jedem Teil der Erde leben dürfen und können. Wir stehen für ein weltweites Bleiberecht, jenseits von Nationen, da diese unnötigen Konstrukte die Menschheit, lediglich in überflüssige Kategorien einteilt und nicht zuletzt auch eine der wichtigsten Grundlagen der Ideologie des Nationalsozialismus darstellen.
Jede_r kann seinen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten, indem er_sie das Thema in den politischen Diskurs bringt, damit die Betroffenen aus der Vergessenheit geraten. Schreibt Petitionen, Texte, regt Diskussionen an – sorgt für Aufmerksamkeit. Demonstriert mit uns gegen Lagerzwang, Kapitalismus und Nationen.
 

-Autonome Antifa Weilheim


10 Antworten auf „Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 18.8.2012 um 14:00 in Schongau“


  1. 1 adam luise 09. August 2012 um 16:06 Uhr

    Ich stehe voll und ganz hinter diesem Schreiben werde bei der Demo am 18 anwesens sein
    luise
    weiter so

  2. 2 walter 16. August 2012 um 8:15 Uhr

    wer eentfernt die Aufkleber von den Fenstern. Das ist Sachbeschädigung!

  3. 3 Dietmar 16. August 2012 um 16:52 Uhr

    Ihr wollt wieder mal die Welt retten. Vielleicht sollt ihr euch mal umhören wie das „Volk“ wirklich denkt. Ideologien verbreiten ist keine Kunst. Und eure Aufkleber entfernt mal bitte selber wieder, umverschämt diese Kleberei überall.

  4. 4 honey 17. August 2012 um 12:16 Uhr

    find das eine Super Aktion gab es vor ein Paar Jahren schon mal. da war ich auch schon dabei und werde es diesmal weider sein.
    Da einzige wo ich Walter recht geben muß is das diese Kleberrei nicht in Ordnung ist.
    Ich meine mir Persönlich ist das egal aber überlegt mal was erreicht ihr damit??? Das sich die Leute aufregen!
    So birngt ihr sie ehr gegen euch auf, als auf eure Seite, das blockiert den Sinn der Sache und ist von daher ehr blöd….Plakate an vorgesehenen Flächen als Werbung aufhängen:GUT.
    Werbung im netz mache GUT!
    Alles mit Aufklebern voll kleben: ziemlich dumm
    Trotzdem tolle Sache also die Demo bis morgen

  5. 5 DonCamillo 18. August 2012 um 9:08 Uhr

    Ich finde auch, dass es sinnfrei ist die Bürger noch mehr gegen sich aufzubringen, indem alles, wirklich alles, mit Plakaten und Aufklebern vollgekleistert wird. Das ist sowohl hässlich, wie auch dämlich. Der Schongauer Rassistenmob wir sich mit Sicherheit jetzt vorrangig damit beschäftigen wütend Aufkleber abzukratzen, und die Schuld auf AntifaschistInnen schieben. Besonders deutsche Schongauer sehen jetzt vielleicht auch die Asylbewerber als potentielle Sachbeschädiger. (wer ursprünglich aus Hohenpeißenberg kommt, der kennt die Logik der eingefleischten CSU-ler).
    Mit der Thematik der Demo wird sich jetzt sicherlich erstmal niemand auseinandersetzen.Finde ich super Schade, und bin damit nicht der einzige. Dieses wahllos alles vollkleben, was nicht mal vor Spielplätzen halt macht, (wolltet ihr vielleicht 3-5 Jährige als Ordner engagieren?) macht mich irgendwie auch wütend.
    Trotzdem, bis später denke ich.

  6. 6 Das-Ich 18. August 2012 um 16:09 Uhr

    Hab grad euch paar Hanseln auf der Straße gesehn, peinlicher gehts nimmer. und 2 Bullen karren braucht da auch noch? da muß man sich ja fremdschämen.

  7. 7 berliner antifa 21. August 2012 um 14:01 Uhr

    meine güte, ihr habt probleme… da werden aufkleber verklebt, hui ui ui ui. mal schnell wieder sauber machen, nicht dass das gemütliche schongau noch den eindruck erweckt, es wohnten nicht nur knorr-familien (zitat quetschenpaua: „alles dreht sich um die eigene suppe) dort!
    dass unterdessen tausende migrant_innen jahr für jahr im mittelmeer und an anderen EU-außengrenzen krepieren, ist natürlich nebensächlich. wie sagte peter schneider schon 1967:

    „Wir haben Fehler gemacht, wir legen ein volles Geständnis ab. Wir haben in aller Sachlichkeit über den Krieg in Vietnam informiert, obwohl wir erlebt haben, daß wir die unvorstellbarsten Einzelheiten über die amerikanische Politik in Vietnam zitieren können, ohne daß die Phantasie unserer Nachbarn in Gang gekommen wäre, aber daß wir nur einen Rasen betreten zu brauchen, dessen Betreten verboten ist, um ehrliches, allgemeines und nachhaltiges Grauen zu erregen.“

  8. 8 doncamillo 21. August 2012 um 18:20 Uhr

    liebe berliner antifa, hättet ihr meinen beitrag genau gelesen, hättet ihr wohl bemerkt, dass es mir genau darum geht, dass sich jetzt niemand mehr mit der thematik auseinandersetzt, weil sich jeder nur noch über verklebte aufkleber ärgert. Kleinstadtbürger sind nun mal so. Und wie ihr so treffend bemerkt habt, ist es ein wahnsinnig wichtiges thema und die demonstration wohl eigentlich die leute zum nachdenken hätte bringen sollen.
    Zudem finde ich es schön, dass Kritik am eigenen Handeln nicht angenommen werden kann, und sofort mit Beleidigungne um sich geworfen wird.
    ich bitte sämtliche rechtschreibfehler zu entschuldigen.

  9. 9 berliner antifa 22. August 2012 um 19:25 Uhr

    @doncamillo: das war doch gar nicht in erster linie gegen dich gerichtet :-) sondern gegen „walter“, „dietmar“ und co. leute also, denen das thema offensichtlich völlig am allerwertesten vorbeigeht, die sich keine sekunde lang inhaltlich mit demoaufruf oder sonstwas beschäftigt haben – ick sach nur „das volk“ –, aber hier eine gelegenheit sehen, sich mal bisschen darüber aufzuregen, dass ihre gartenzwerge-welt durch aufkleber verschandelt wird.

    im übrigen ist es nach meiner politischen erfahrung so, dass du die leute, die sich über aufkleber (oder militanz, oder „extremist_innen“ bei demos usw. usf.) aufregen, auch dann nicht erreichst, wenn du auf aufkleber verzichtest. und das ist in berlin nicht anders als im kuhkaff xy.

  10. 10 doncamillo 23. August 2012 um 18:47 Uhr

    @ Berliner Antifa
    Okay, dann gehen wir mal zusammen nen Kaffe trinken und es passt wieder ;)
    Hatte mich eben angegriffe gefühlt.
    Mag sein, dass sich die Leute so oder so nen Dreck um die Thematik scheren, ob mit, oder ohne Aufkleber, ich wurde eben im Vorfeld, bereits 2 Tage vor der Demo von Bekannten angesprochen, was denn der Sinn darin sei, alles mögliche vollzukleistern, und dass sie das ärgert, usw, usw. Drum mein Beitrag, aber vermutlich hätte es wirklich keinen Unterschied gemacht, wenn weniger verklebt worden wäre..

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