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KEIN AL QUDS-TAG!

Gegen Antisemitismus und Islamismus! Solidarität mit Israel!
Aufruf des antifaschistischen Berliner Bündnisses gegen den Al Quds-Tag

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Am 27. August 2011 wollen Islamist_innen in Berlin zum so genannten Al-Quds-Tag als Kampftag des politischen Islam auf die Straße gehen. Seit dem Aufruf des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Chomeini vom 8. August 1979 wird jedes Jahr zu diesem Anlass für eine Welt ohne Israel und die Eroberung Jerusalems demonstriert. Dieser Tradition folgend schürt das iranische Mullah-Regime Hass gegen den “dekadenten Westen“, verbreitet seit Jahren offen antisemitische Propaganda und leugnet den Holocaust. Gleichzeitig unterstützt es, durch Geld- und Waffenlieferungen, den Kampf islamistischer Terrororganisationen und arbeitet an seiner atomaren Bewaffnung, die angesichts der regelmäßig ausgesprochenen Vernichtungsdrohungen eine existenzielle Bedrohung für Israel darstellt.

Der islamistische Aufmarsch, der seit 1996 fast jährlich in Berlin stattfindet, war dabei schon mehrfach Anlaufpunkt für antizionistische Linke. Der Schulterschluss dieser ideologisch vermeintlich nicht zueinander kompatiblen Lager ist allerdings kein Einzelfall – so riefen bereits anlässlich der Gaza-Flottilla 2010 unter anderem prominente Mitglieder der Linkspartei mit Islamist_innen zur gemeinsamen Feindfahrt gegen Israel auf und zeigten damit, dass sie diesbezüglich die gleichen Positionen vertreten. Ziel dieser Unternehmung war es, die rechtlich abgesicherte Seeblockade gegen das islamistische Hamas-Regime zu durchbrechen und Israels staatliche Souveränität anzugreifen. Die Organisator_innen gaben sogar zu, dass es ihnen nicht um humanitäre Hilfe geht und ihnen die Menschenrechte im Gazastreifen egal sind. Auch in diesem Jahr wollten die antisemitischen Kreuzfahrer_innen wieder aufbrechen, um ihrem internationalen Projekt – eine Welt frei vom „zionistischen Gebilde“ – wieder einen Schritt näher zu kommen. Dieses Mal haben sie es aber erst gar nicht geschafft in See zu stechen.

Funktionierte die deutsche Schuldabwehr unmittelbar nach dem Nationalsozialismus vor allem durch Leugnung oder Relativierung der Shoa, wurde spätestens seit der Rot-Grünen Koalition 1998 die Anerkennung deutscher Schuld zum zentralen Faktor der Staatsräson der Bundesrepublik. Diese Anerkennung allerdings ist nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Ausgeblendet wird die Frage, welche konkreten gesellschaftlichen Ursachen den Nationalsozialismus ermöglichten oder wie eine dermaßen wahnhafte Ideologie von nahezu einer ganzen Bevölkerung reproduziert und täglich umgesetzt werden konnte. Ziel emanzipatorischer Bestrebungen kann also niemals ein besseres Deutschland sein, sondern eine grundlegende Veränderung der bestehenden Verhältnisse. Eine staatliche Aufarbeitung der Vergangenheit, die auf einen Schlussstrich abzielt, muss notwendigerweise scheitern. Es wird hier eine deutsche Identität konstruiert, die abzulehnen ist.

Eine besondere historische Verantwortung für Israel, die vor diesem Hintergrund von politischer Seite immer wieder postuliert wird, wird angesichts der unzureichenden deutschen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu einer Farce. Die Rolle Deutschlands als wichtiger Exporteur in den Iran – unter anderem für dessen kriegswichtige Industrien – trägt ihr Übriges dazu bei. Und wie die offizielle deutsche “Solidarität“ mit Israel aussieht, sah man unter anderem Anfang Juni 2010 nach der ersten sogenannten Gaza-Flottille. Damals sprach der Bundestag einstimmig und über alle Parteigrenzen hinweg dem Staat Israel das Recht auf Selbstverteidigung ab.

Israel wurde als Konsequenz aus der über 2000 Jahren währenden antisemitischen Verfolgung, die ihren Höhepunkt im deutschen Vernichtungswahn fand, gegründet, um alle von Antisemitismus betroffenen Menschen vor Mord und Verfolgung zu schützen. Dass sich Israel in diesen falschen Verhältnissen, die Antisemitismus tagtäglich reproduzieren, nur militärisch verteidigen kann, ist traurige Realität. Diejenigen also, die es mit Antifaschismus ernst meinen und für die die Maxime, alles „Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts ähnliches geschehe“ (Adorno), untrennbar zum eigenen Politikverständnis gehört, müssen unmissverständlich Partei für Israel ergreifen und sich klar gegen seine Feinde stellen. Ganz egal, ob es sich dabei um Kräfte der so genannten bürgerlichen Mitte, Islamist_innen, antizionistische Linke oder Nazis handelt.

::: KEIN AL QUDS-TAG!
::: Gegen Antisemitismus und Islamismus!
::: Solidarität mit Israel!

Antifaschistische Demonstration gegen den Marsch am Al Quds-Tag
Samstag, 27. August 2011 | 12:00 Uhr | Wittenbergplatz (Berlin)

[Wir organisieren eine antifaschistische Demonstration und dulden keine rassistischen und rechtspopulistischen Positionen auf unserer Veranstaltung. Vertreter_innen der so genannten “Pro-Parteien“, “Die Freiheit“, “PI-News“ und deren Umfeld wird die Teilnahme verwehrt.]

Friede, Freude, Eierkuchen?

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Friede.Freude.Eierkuchen?

Vom 1. bis 3. Oktober feiern sich die deutsche Nation und das Bundesland NRW in Bonn. Drei Tage lang soll beim „Deutschlandfest“ Friede.Freude.Eierkuchen (das original Motto lautet: „Freiheit, Einheit, Freude“) zelebriert werden. Auf der „prächtigen Festparade“ „Freue Dich Deutschland!“ wird wieder mal, aber in zunehmend grotesker Form, die jährliche Inszenierung des Burgfriedens von Staat, Nation und Volk aufgeführt. Klar, bei dieser Reihe an schönen Veranstaltungen dürfen auch wir nicht fehlen, um unsere Meinung zu Deutschland lautstark zu formulieren. Wir stellen eins klar: Ihr könnt uns mal mit eurer Standortpolitik. Wir machen für Deutschland keinen Finger krumm!

Freude? – Don’t dance to this shit!

Die Einheitsfeier, so spannend Paraden, Bootstouren und ein gemeinsamer Freudentaumel auch sind, ändert nichts an der alltäglichen Ohnmacht – der Ohnmacht gegenüber den Mühlen von Staat und Kapital. Die Identifikation mit der Gemeinschaft, also dem nationalen ‘Wir’, ist jedoch nur ein ideologischer Fluchtreflex vor dem Druck kapitalistischer Konkurrenz und Vereinzelung, aber eben zugleich auch ursächlich mitverantwortlich für eben jene Ohnmacht. Egal, ob Deutschland „schwarz-rot-geil“ oder kulturell anspruchsvoll feiert; abgerechnet wird nach dem Event, wenn die großen Gefühle verraucht sind, und Vater Staat als Vertreter des Standortes seine Forderungen und Ansprüche stellt. Ansprüche, die von der, vermeintlich unabhängigen Bevölkerung klaglos akzeptiert werden (müssen). Der eventabhängige Partynationalismus, eine Garnitur aus Spaß, Freud, und Deutschland-Fähnchen, sollte daher nicht über den Gemütszustand „der Deutschen“ im Alltag täuschen. Dort regiert nicht „Schwarz-Rot-Geil“, sondern eher ein „hoffentlich bleiben wir verschont“ gepaart mit der aggressiven Angst, dass „uns“ etwas weggenommen oder vorenthalten wird. Genau in dieser Gefühlslage greifen die ideologischen Mechanismen, denn was den Menschen die Herzen öffnet, ist ihre Sehnsucht nach einer schützenden, solidarischen Gemeinschaft, in der die Nächsten nicht immer zugleich Konkurrent*innen und Neider*innen sind. Denn für diese Menschen verspricht alleine die Identifikation mit der Macht des Staates und seinen Symbolen, die immer wiederkehrenden Erfahrungen individueller Ohnmacht zu überwinden. Jene Ohnmacht von der im Kapitalismus niemand verschont bleibt.
Für uns steht fest: Die Feier der Nation ist ein Angriff auf das schöne Leben und die befreite Gesellschaft!

Etwas Besseres als die Nation! – A lot of things to do!

Unser Urteil lautet: „Germany – Zero Points!“ Deshalb rufen wir am Wochenende des nationalen Spektakels alle Individuen und Gruppen, die sich der emanzipatorischen Bewegung für das schöne Leben verschrieben haben, dazu auf, sich unserem Protest anzuschließen. Einem Protest gegen Staat und Nation, und anlässlich dieses Events sowie auch generell in ganz besonderer Weise gegen Deutschland. Denn die Kritik einer Linken, die ihr eigenes politisches Ziel – eine radikale Umwälzung der Verhältnisse – ernst nimmt, muss immer auch gegen die nationale Gesamtscheiße gehen.

Antifaschismus bedarf einer Kritik von Staat und Nation, denn völkische und reaktionäre Freaks radikalisieren nur die Ideologie kapitalistischer Schicksalsgemeinschaft: Die Aufopferung des Ichs für die Vormachtstellung der eigenen Bande, gnadenlos gegen den Rest der Welt.

Antirassismus bedarf einer Kritik von Staat und Nation, denn die staatliche Diskriminierung von Menschen nach Herkunft und Nützlichkeit folgt der Logik geordneter Standortkonkurrenz: Nationale Vorteile sichern, Verantwortung abschieben. Und auch der Alltagsrassismus der deutschen Deppen ist vor allem ein Appell ans nationale Privileg: Der Staat soll „Deutsche zuerst!“ bedienen. „Das Wir gewinnt“, heißt es dann in Presse und Medien. Das „Ihr“ verliert, ist die bittere Konsequenz dieser Logik.

Antimiltarismus bedarf einer Kritik von Staat und Nation, denn diese sind die Grundlagen für Konflikte zwischen den Nationalstaaten um Ressourcen, geopolitischen Einfluss, etc., die mal diplomatisch, mal offen kriegerisch geführt werden.

Wissenschafts- und Bildungskritik bedürfen einer Kritik an Staat und Nation, denn politische bzw. emanzipatorische Aktivität an (Hoch-)Schulen ist nur dann zu etwas nütze, wenn sie die staatlichen Mittel und Zwecke der Bildung attackieren: Entwicklung des nationalen Humankapitals, Wissenschaft als Standortfaktor und „Selbstbestimmung“ nur als Training für Konkurrenz und Auslese.

Arbeitskämpfe bedürfen einer Kritik von Staat und Nation, denn jede Politik „im Interesse der Lohnabhängigen“ wird sonst zur nationalen Komplizenschaft gegen Erwerbslose einerseits, und gegen „ausländische“ Lohnabhängige andererseits. Lohnarbeit, die herrschende Form kapitalistischer Ausbeutung, heißt Arbeit in endloser Konkurrenz, für andere und gegen andere, zusammengehalten durch staatliches Recht, staatliche Aufsicht und unter anderem nationales Interesse.

Geben wir also der Feier der Nation, trotz unserer verschiedenen thematischen Schwerpunkte, die passende Antwort: Unseren Widerstand und ein lautes, klares und kompromissloses:
Fuck you!

Bash Back! Bündnis-Kurzaufruf

Gegen den Festkommers der Burschenschaftlichen Gemeinschaft
Bash Back!
Gegen Nationalismus, Rassismus und Sexismus

Am 15. und 16. Juli findet in München ein Festkommers1 zum 50jährigen Bestehen der rassistischen, sexistischen und deutschnationalistischen Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) statt. Gegen diese Veranstaltung rufen wir zu Protesten auf!

Die Burschenschaftliche Gemeinschaft ist ein 1961 in München gegründeter Zusammenschluss verschiedener rechter Burschenschaften aus Österreich und Deutschland, wobei sie in ihrem völkischen Nationalismus Österreich sowie einige Gebiete in Polen und Tschechien als Teile eines Großdeutschlands begreifen. Ihre Vorstellung von Nation gründet dabei in der rassistischen Blut-und-Boden-Ideologie, die systematisch nicht-weiße Menschen, Jüd_innen, Sint_izza, Romni_ja und viele andere ausschließt. Aber auch ihr Geschlechterbild ist von sexistischen und heteronormativen Ideologien geprägt. Konkret heißt dies, dass Frauen* einzig als Mütter und Ehefrauen betrachtet werden und nur den Männern* öffentliche Bereiche wie etwa die Sphäre der Politik oder die elitären, männerbündlerischen Burschenschaften selbst offenstehen. Dies sehen sie begründet in einem biologischen Unterschied von Mann und Frau, aus dem heraus die Gesellschaft organisiert werden soll. Dass sich Menschen jenseits dieser binären Geschlechternormen oder heteronormativer Begehrensstrukturen verorten, erscheint den „Burschenschaftlern“ als der ultimative Angriff auf die „natürliche Ordnung der Gesellschaft“.

In der BG sind 42 „farbentragende“ und „schlagende“ Burschenschaften organisiert. „Farbentragend“ bedeuet das sie als Erkennungszeichen eine Kappe auf dem Kopf und ein Band um den Oberkörper in den jeweiligen Farbe ihrer Burschenschaft tragen. “Schlagend“ heißt, dass sie Wert auf den Zweikampf im Fechten legen. Nach innen sind die einzelnen Burschenschaften straff hierarchisch und autoritär organisiert. Wer in eine solche Burschenschaft eintritt, muss ihre Ideologien sowie Geschlechterbilder verinnerlichen. In ritualisierten Besäufnissen und dem Mensurfechten soll eine „ideale Männlichkeit“ ausgebildet werden. Wer sich einer Burschenschaft anschließt geht einen Bund fürs Leben ein. Die Mitgliedschaft endet nicht mit dem Verlassen der Uni. Auf diese Weise ist gesichert, das Werte und Normen erhalten bleiben und das die sog. „alten Herren“ ihren Verbandsbrüdern in einflussreiche Stellungen in Wirtschaft oder Politik verhelfen. Burschenschaften verstehen sich selbst als Ausbildungsstätten der „gesellschaftlichen Elite“ und möchten sich abheben vom Rest der Studierenden, die sie als abzuwertende und ungebildete Masse ansehen.

Aber die „Burschenschaftler“ sind nicht einfach eine Gruppe vernachlässigbarer Hanseln, sie können an gesellschaftliche Ideologien und Diskurse anknüpfen und diese auch in ihrem Sinne beeinflussen. Die rassistischen, antisemitischen, sozialchauvinistischen, elitaristischen und heteronormativen Ideologien, die die Burschenschaften vertreten, haben auch in vielen breiteren gesellschaftlichen Debatten ihren Ausdruck. Beispielsweise in der sog. Sarrazindebatte, in der sich der Hass gegen sozial Ausgegrenze mit dem Hass auf (vermeintliche) Muslim_innen verband, die Polemiken gegen Forderungen Überlebender der nationalsozialistischen Verfolgung auf Entschädigungszahlungen in denen die Ressentiments vom „raffgierigen Juden“ aufgewärmt werden oder im antifeministischen Backlash.

Burschenschaften, insbesondere die in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft organisierten Gruppen, agieren zudem oftmals als wichtige Schnittstelle zwischen militanter Neonaziszene und konservativer Rechter. Bei der Burschenschaft Danubia trat z.B. am 6. Mai diesen Jahres der neonazistische Publizist Jürgen Schwab auf, am 30. April traten in der Burschenschaft Cimbria der Redakteur der neu-rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ Felix Krautkrämmer und Erik Lehnert vom rechten „Institut für Staatspolitik“ auf. 2001 fand der flüchtige Neonazi Christoph Schulte bei der Danubia Unterschlupf nachdem er bei einem rassistischen Übergriff in der Zenettistraße beteiligt war. Martin Graf (FPÖ) von der Burschenschaft Olympia Wien ist 3. Nationalratspräsident in Österreich. Alle diese Burschenschaften gehören der Burschenschaftlichen Gemeinschaft an.

Deshalb rufen wir – ein Bündnis verschiedener antirassistischer, antifaschistischer und antisexistischer Gruppen aus München und Umgebung – dazu auf, den Festkommers zum Desaster zu machen.

Gegen Nationalismus, Sexismus, Rassismus und Elitarismus!
Für eine befreite Gesellschaft!

Antifaschistische Demo: 16.07.2011, 16.30 Uhr, Prinzregentenplatz
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1 Ein Kommers ist eine hochoffizielle Feier von Studentenverbindungen oder -burschenschaften, bei dem traditionellerweise Lieder gesungen und Reden gehalten werden.

le monde est à nous

STADT FÜR ALLE – ALLES FÜR ALLE!

Am Abend des 30. Aprils wollen wir unter dem Motto „Stadt für Alle – Alles für Alle“ mit einer antikapitalistischen Demonstration durch München ziehen. Es geht uns dabei um eine kollektive (Wieder-) Aneignung des städtischen Raums, der in kapitalistischen Gesellschaften immer Menschen ausschließt, an den Rand drängt und unsichtbar macht. Mit der Wahl des Datums stellen wir uns bewusst in den Kontext der 1. Mai – Demonstrationen, wollen uns aber gleichzeitig dem dort zelebrierten Arbeitsethos entziehen und eine antikapitalistische Perspektive jenseits von Lohnarbeit aufzeigen.

Wir wollen eine Stadt, in der öffentlicher Raum allen zugänglich ist, in der unsere Bewegungs- und Handlungsfreiheiten nicht eingeschränkt werden. Sei es durch institutionelle Kontrollmechanismen wie Kameraüberwachung, Bullen oder private Sicherheitsdienste; sei es durch strukturelle Mechanismen wie den gesellschaftlichen Ausschluss von Erwerbslosen und Obdachlosen; sei es durch sexualisierte Gewalt. Wir wollen eine Stadt in der Zugang zu Wohnraum sich nicht nach Einkommen, Nachname, Gender oder Herkunft richtet, in der barrierefreie Architektur allen Menschen die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht und in der Menschen nicht durch Gentrification aus ihren Vierteln vertrieben werden.
Gerade für München ist es bezeichnend, dass einerseits zehntausende Quadratmeter an Büro- und Gewerbeflächen leerstehen, während andererseits jede_r weiß, wie lange die Wohnungssuche hier dauern kann. Ganz zu schweigen von all denjenigen, die sich die Mieten hier nicht leisten können und ins Umland oder in andere Städte abgedrängt werden.

Kein Mensch kann mit offenen Augen einen Tag durch München gehen, ohne Zeug_in oder Betroffene_r rassistisch-motivierter Personenkontrollen zu werden. Dies ist nur ein Aspekt, wie Rassismen sich in und durch Städte äußern. „Geduldete“ Flüchtlinge sind durch rassistische Gesetze in Bayern dazu gezwungen in Lagern zu leben, die oft fernab von Städten und Verkehrsmitteln liegen, sowie katastrophale hygienische und wohnliche Bedingungen aufweisen. An Privatsphäre ist in Gruppenzimmern und mit einem Personal, das sich mit seinen Schlüsseln jederzeit Zutritt verschaffen kann, nicht zu denken. Vielfach sind Bewohner_innen der Lager betroffen von sexualisierter Gewalt von Seiten des Personals vor Ort, was allerdings meist nicht zur Anzeige gebracht wird.
_Flüchtlingen ist schlichtweg untersagt, sich selbstständig eine Wohnung zu suchen und – durch die Residenzpflicht – sich frei zu bewegen. Städtische Räume sind also maßgeblich auch durch oft vergessene oder unsichtbar gemachte rassistische Ausschlussmechanismen geprägt.
_Auch unkommerzielle Kunst und Kultur hat es in kapitalistischen Städten, allen voran in München, schwer. Dort wo sie sich nicht in Verwertungs- und Nützlichkeitslogiken integrieren kann oder will, stößt sie auf Widerstand und Repression. Vormals antagonistische/widerständige Kultur und Praxen haben sich dem kapitalistischen Prozess angepasst: sei es durch Clubs, in denen „alternative“ Bands 15 Euro Eintritt und das Bier 4 Euro plus Pfand kosten, sei es durch hippe Musikszenen, die sich höchst profitabel vermarkten lassen oder sei es durch Strategien, die StreetArt in einem kapitalistischen Kalkül nutzen wollen. Die Formen unkommerzieller Kunst und Kultur, die sich solch einer Vereinnahmung und Integration entziehen, bleiben als „Ruhestörung“ und „Vandalismus“ mit (staatlichen) Repressionsapparaten konfrontiert.
_Unser Widerstand richtet sich nicht nur gegen die (Um-) Strukturierungen von kapitalistischen Städten, sondern gegen den Kapitalismus als Ganzes, dem diese Prozesse zu Grunde liegen. Mit unseren vielfältigen Kämpfen für ein schönes, selbstbestimmtes Leben für Alle in der Stadt und überall streben wir eine Kompliz_innenschaft mit anderen, emanzipatorischen und sozialen Kämpfen gegen die kapitalistische, herrschaftsförmige Gesellschaft, in der wir leben, an.

Vielfältig! Kreativ! Bunt! Unkontrollierbar!

Kommt alle zur antikapitalistischen, linksradikalen Abenddemo am 30. April 2011 um 18 Uhr zum Weißenburger-Platz (U/S-Bahn Rosenheimerplatz) in München!
Aufrufe, und weitere Infos: le-monde.tk

News

+++Am 19. findet in Dresden der jährliche Nazigroßaufmarsch statt. Busse nach Dresden fahren aus dem Allgäu(interessenten per mail melden) und München . Die Tickets kosten ca 30€. Auch wenn es Seiten mit deutlich mehr Inhalt gibt die nach Dresden mobilisierieren verlinken wir den wohl witzigsten Mobiblog dieses Jahr.+++

Heute ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau durch die Soldaten der Allierten. Wir möchten zu dem Thema auf den Text unsrer bremer Genoss_innen von der Gruppe „Junge Linke gegen Kapital & Nation“ verweisen den wir hier verlinken:

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Hier, in den anderen Vernichtungslagern und durch die massenhaften Erschießungen hatte Nazi-Deutschland versucht, alle Menschen, die als Juden sortiert wurden, umzubringen. Dies war ein gleichberechtigtes Kriegsziel neben der Eroberung anderer Länder und der Zerschlagung der Sowjetunion, zum Schluß sogar das Wesentliche.

Angekündigt hatte Hitler bereits 1939: „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum … gelingen sollte, die Völker Europas noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“(1). Dafür setzte der deutsche Staat alles in Bewegung, von A wie Arbeitsamt bis Z wie Zulassungsstelle. Solange deutsche Soldaten kämpften, ging der Mord an den Jüdinnen und Juden, den Roma und Sinti, und die brutalen, oft tödliche Über-Ausbeutung der „Fremdarbeiter“ weiter. Zum einen waren alle Teile der Gesellschaft in das Kriegsprogramm der Nazis integriert, zum anderen haben Hitler & Co weder die Vernichtungslager, noch einen Vernichtungskrieg (Massenerschießungen, tödliche Deportationen und Zwangsarbeit) alleine machen können. Es war ein deutsches Projekt.

„Wir haben nichts davon gewußt!“, hat es nach 1945 geheißen. Das ist eine doppelte Schutzbehauptung: Die ganz normalen Deutschen hätten durchaus wissen können und wußten oft auch, was da passierte. Vor allem aber wäre ohne ihr Mitmachen ein solches Vernichtungsprogramm gar nicht möglich gewesen. Das heißt nicht, daß alle Deutschen fanatische Antisemiten oder begeisterte Nationalsozialisten gewesen wären. Das ist augenscheinlich auch gar nicht nötig. Ein Haufen ordentlicher StaatsbürgerInnen, die für ihren Staat sind, egal was der macht plus eine große Anzahl von Antisemiten plus die entsprechende Führung sind ausreichend. „Die Verfassung der Massen [im NS – Anm. v.m.] besteht eher in der Indifferenz [Gleichgültigkeit – Anm. v.m.] von kalkulierenden Warenbesitzern, die weder der Todesmaschinerie in den Arm fallen, noch allzu sehr auffallen wollen“ (Detlev Claussen: Grenzen der Aufklärung, S.23). Soweit die Fakten.

Es geht nie um Auschwitz, es geht immer um Deutschland Das alles ist schrecklich, und wirft einige Fragen auf. Wie kamen die Nazis darauf, eine jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung gegen Deutschland zu halluzinieren? Wie kamen die Deutschen darauf, diese Partei an die Regierung zu wählen? Wie konnten all die netten Opis und Omis einfach mitmachen? Warum gab es in Deutschland keine Partisanen oder keine handfesten militärischen Widerstand wie anderswo, sondern nur ein Attentatsversuch von Offizieren, die den Krieg gewinnen und darum (und nur darum!) Hitler stürzen wollten („20.Juli“). Warum wollten so wenige etwas gegen das Vernichtungsprogramm der Nazis tun, und warum haben noch weniger es getan (z.B. Sabotage wie die Edelweißpiraten, oder Spionage wie die Rote Kapelle). Aber das sind gar nicht die Fragen, die in Deutschland diskutiert werden. Statt Auschwitz zu erklären, wird es dem deutschen Nationalismus dienstbar gemacht.

„Das Gedenken an Auschwitz wird instrumentalisiert“ hat auch Martin Walser in seiner Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erklärt, neben viel anderem dummen Zeug. Aber er meint das anders: Angeblich wird Auschwitz von Leuten, die den Deutschen ein schlechtes Gewissen einreden wollen, instrumentalisiert. Walser sagt das nicht mal eben so. Nachdem in den 80er Jahren Historiker bereits behauptet haben, die Nazis hätten bei Stalin abgekupfert, nach den antisemitischen Reaktionen auf die Thesen von Goldhagen, nach den schwarzbraunen Protestdemonstrationen gegen die Wehrmachtsausstellung, nach dem Einzug der faschistischen DVU in den Landtag von Sachsen-Anhalt und der Ausbreitung „national befreiter Zonen“ in Ostdeutschland fällt Walser nur eins ein: Auschwitz wird instrumentalisiert. Stimmt. Von ihm und anderen.

Deutschland befreit sich von Auschwitz I: Ableugnen und Relativieren

Neben der ganz schlichten Methode, einfach zu behaupten, das alles sei eine Erfindung, gibt es viele Methoden, Deutschland reinzuwaschen. Beliebt sind da Methoden wie: „auch andere Völker haben Dreck am stecken“, was der Kindergartenlogik folgt, daß wenn zwei etwas machen, es nur noch halb so schlimm sei. Jenseits dessen, daß die Vergleiche zumeist nicht hinhauen.

Wieder zu Ehren gekommen ist der Vergleich zum Staatssozialismus: Das „Schwarzbuch des Kommunismus“ hat die Toten aus Bürgerkriegen, Hungersnöten und Erschießungen zusammengerechnet, ist auf 100 Millionen Tote gekommen, und findet den Kommunismus darum viermal schlimmer als den Nationalsozialismus. Und der Hinweis auf die zwei „Unrechtsregime“ (gemeint sind das ‚Dritte Reich‘ und die DDR) ist ein fester Bestandteil, um die ostdeutsche PDS in die Nähe der Nazis zu rücken. Immer wieder errechnet dann auch jemand, daß es „nur“ vier oder drei oder zwei Millionen gewesen sind, die umgebracht wurden. Auch beliebt ist der Verweis darauf, wie schlecht Israel die Palästinenser behandelt und wenn die Opfer keine besseren Menschen sind, dann ist die Tat in den Augen mancher wohl auch nicht mehr so schlimm.

Deutschland befreit sich von Auschwitz II: Verdrängen durch Gedenken

In den letzten Jahren ist neben dem, Relativieren auch das Gedenken mehr in Mode gekommen. mit dem Hinweis, man gedenke ja nun, weist man gleichzeitig alle Kritik von sich und verbittet sich jede Einmischung des Auslands und besonders der Juden. Schon gar nicht will man sich reinreden lassen, wie nun zu gedenken sei: Am Ende wird noch ein Stück besten Berliner Baugrunds nur für eine Gedenkstätte geopfert. Mit dem Hinwies auf das Gedenken, mit dem Stolz auf die Scham, die man empfindet weist man zugleich jede Konsequenz aus der Nazi-Zeit zurück: Während alle Anne Franks Tagebuch lesen, werden Menschen jeden Tag in Folter, Hunger und Bürgerkrieg abgeschoben. Während der Bundespräsident Yad Vashem besucht, wehrt sich das ostdeutsche Dorf Gollwitz gegen jüdische Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Und der Hinweis, man habe nun aber genug…., den kriegen auch Leute zu hören, die Entschädigung für Zwangsarbeit verlangen, oder Schadensersatz für Versicherungspolicen und Konten, die die Banken damals einkassiert haben.

Deutschland befreit sich von Auschwitz III: Auschwitz als Auftrag

Und das geht so: Gerade weil die Deutschen vom Faschismus befreit wurden und Auschwitz nicht selber beendet haben, können sie nicht zurückstecken, wenn es gilt, anderen Völkern zu helfen. Der ‚Völkermord‘ an den europäischen Juden muß als Grund dafür herhalten, daß der Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs seine von Wehrmachts-Generälen aufgebaute Bundeswehr in Bewegung setzt, um Wiederholungen zu verhindern. Brillant. Wer möchte sich schon nachsagen lassen, aus der deutschen Geschichte nichts gelernt zu haben? Die Grünen und die linken Sozis haben Deutschland 1968 ff. zivilisiert, denken sie. Das ist das einzige, woran diese ehemaligen Linken, die heute so gerne mit SPD, FDP und CDU kuscheln, vergangenheitsmäßig erinnert werden möchten. Weil andere Weltgegenden keine 68er gehabt haben, muß die so verwandelte BRD Frieden und Menschenrechte überall durchsetzen. so nützt die faschistische Vergangenheit ganz aktuellen Interesse und Zielsetzungen: gegen den Irren von Bagdad, den Wahnsinnige in Belgrad und so andere angebliche Wiedergänger Hitlers.

Gedenken als Nationalfeier

Die ganze Erinnerungskultur soll ein Kompliment für Deutschland sein. Genau für jenen Staat, der bis 1989 die Ergebnisse des II. Weltkriegs in Frage gestellt hat. Genau für jenen Staat, dessen Zentralbank die Gewinne aus dem Verkauf des Zahngolds der vergasten Juden in DM umgewechselt hat. Genau für jenen Staat, dessen Oberstes Gericht geurteilt hat: „(…) die Bundesrepublik ist also nicht ‚Rechtsnachfolger‘ des Deutschen Reichs, sondern als Staat identisch mit dem Staat ‚Deutsches Reich‘“(2). Die BRD wollte immer beides sein: Deutschland und die einzig zulässige und erfolgreiche Lehre aus der deutschen Geschichte. Mit der antifaschistischen Erziehung, Abteilung West soll immer eins erreicht werden: Identifikation mit der BRD. Worauf dabei jeweils Wert gelegt wird, ist davon abhängig, was jeweils für das hervorstechendste Argument für die Bundesrepublik Deutschland gehalten wird. Wer vor allem ihr politisches System für das besondere Gütezeichen hält, betont die Differenzen zwischen Deutschem Reich und BRD, und kann im Vergleich von faschistischer und demokratischer Politik nur eins entdecken: Lauter Gegensätze!. Wer dagegen der BRD primär zu Gute hält, daß sie ein deutscher Nationalstaat ist, wird in Angriffen auf Institutionen, die es auch in der BRD gibt, den Angriff auf den deutschen Staat und dem ihm zustehenden Gehorsam seiner BürgerInnen vermuten Bei all den Kontinuitäten von BRD und Deutschem Reich, kann an letzterem nicht alles schlecht gewesen sein. Und weit und breit vermögen die Vertreter dieses Ansatzes keinen Grund zu sehen, warum dem Deutschen Reich nun angekreidet werden sollte, was bei anderen Staaten angeblich oder wirklich Gang und Gäbe war und ist. Wer „die Deutschen“ in erster Linie als „Schicksalsgemeinschaft“ (Schäuble) betrachtet, statt sie in eine Gemeinschaft freiwilliger VertragspartnerInnen umzulügen, wird von ihren Angehörigen Unterordnung und Begeisterung ganz abstrahiert vom jeweiligen politischen System oder der jeweiligen Regierungsmannschaft erwarten. Natürlich ist Deutschland heute kein faschistischer Staat. Das ist augenscheinlich für viele Schweinereien auch gar nicht nötig. Weder sind Demokratie und Faschismus – und der Nationalsozialismus ist die radikale, deutsche Variante des Faschismus – das gleiche, noch heißt das, daß bürgerliche Demokratie deswegen harmlos wäre.

Die einzig richtige Lehre aus Auschwitz: Deutschland abschaffen und alle anderen Nationen auch.

„Der Mangel an Rücksicht aufs Subjekt macht es der Verwaltung leicht. Man versetzt Volksgruppen in andere Breiten, schickt Individuen mit dem Stempel Jude in die Gaskammer“(3) Solange es Herrschaft gibt, solange es Kapitalismus gibt, solange ist nicht nur Auschwitz weiterhin möglich, sondern finden auch andere Formen der Brutalität und des Terrors weiterhin statt. Solange es Staaten gibt, die um den Reichtum der Welt konkurrieren, solange wird es auch Leute geben, die alle – wirklichen oder eingebildeten – Feinde ihres Staates bekämpfen oder umbringen wollen. solange Leute sich als Volk fühlen, werden sie immer mit Begeisterung gegen „Volksfeinde“, gegen die, die nicht mitmachen wollen, zusammenrotten. solange es einen Staat gibt, der über Leib und Leben seiner BürgerInnen verfügt – bis hin dazu, daß er sie zum Ausländer umbringen in den Krieg schicken kann – solange ist der Gewaltapparat da, mit dem Vernichtungslager und Abschiebeknäste eingerichtet werden. Solange Menschen nichts zählen, außer als Arbeitskraftbehälter und Menschenmaterial für Staatszwecke, solange sind die Voraussetzungen von Auschwitz da. Wer es ernst meint mit der Erinnerung, der darf nicht bei ihr stehen bleiben.

(1) Rede Hitlers vor dem Reichstag am 30.1.1939

(2) Entscheidung des BVerfG vom 31.7.1973. Abgedruckt in: Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. (BVerfG), Bd. 36, S. 16/17

(3) Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklärung. FaM: Fischer 1988, S.212.

Aktionen um die weisse Weinacht

Gefunden auf Linksunten:

Am 4.12. fand ein weiteres Mal im Murnauer „Hobbyland“ die Veranstaltung „Weisse Weihnacht“ statt. Die jährlich stattfindende Veranstaltung von Matthias Polt & Konsorten besteht aus zwei Teilen: den Tag über findet ein sog. „Sonderverkauf“ statt bei dem der Nazi von Welt sich zu ermäßigten Preisen mit allerlei deutschtümmligen Kitsch eindecken kann. Im zweiten Teil der Veranstaltung tritt meistens eine bayrische Nazigröße auf um eine kurze Rede zu halten. Im Anschluss tritt ein Liedermacher auf. Polt schafft es durch seinen „Sonderverkauf“ meist an die 50 Nazis nach Murnau zu holen welche dann durch massive Polizeipräsenz geschützt zwischen Bahnhof und Laden pendeln.

Die Aktionen gegen die weisse Weihnacht 2010 fanden ihren Auftakt in der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember als ein oder mehrere Antifaschist_innen die Fassade mittels eines Feuerlöschers umdekorierten. Sie versprühten ein gelb-grünliches Farbgemisch auf der Fläche der gesammten Nordfassade des Hauses. Der Schaden liegt laut Matthias Polt zwischen 7000 und 8000€.

Für den Samstag den 4.12 hatte ein Antifaschist eine Kundgebung unter dem Motto „Gegen Deutschland und seine Nazis“ angemeldet. Der Zeitung gegenüber sprach der murnauer Polizeidienststellenleiter Joachim Loy jedoch von einer Veranstaltung die die „Autonome Antifa Weilheim“ iniziiert hätte.
Angemeldet war die Kundgebung von 15-19.00 Uhr. Die Lokalpresse berichtete schon am 3.12 von den beiden Aktionen.

Zur Kundgebung erschienen allerdings lediglich mit erheblicher Verspätung eine Handvoll Antifaschist_innen mit einem Infotisch der in der murnauer Innenstadt aufgebaut wurde. Grund für die geringe Teilnehmer_innen Anzahl war offenbar dass den meisten lokalen Antifaschist_innen die nötige Motivation um Protest, unter der „Obhut“ von einem dicken Haufen Bereitschaftspolizei, durchzuführen fehlte.

Stattdessen fanden sich in der benachbarten Kleinstadt Weilheim ca. 20 Antifaschist_innen zu einer unangemeldeten Demonstration gegen Staat, Kapitalismus und Nazis ein. Die Demonstration zog weitgehend Laut mit Transparenten, Parolen, Musik und Fahnen durch die weilheimer Innenstadt und den Weihnachtsmarkt, wo diverse Böller und Konfettikanonen gezündet wurden. Ausserhalb des kleinen „Blocks“ verteilten Demonstrant_innen die kommunistische Zeitung „Strassen aus Zucker“ und einen kapitalismuskritischen Flyer.

Anlass für die Demonstration war neben den alltäglichen Zumutungen der kapitalistischen Verhältnisse ein rassistischer (fehlgeschlagener) Übergriff am weilheimer Bahnhof der sich 3 Stunden vorher ereignete.

Gegen 13:00 Uhr wurden Antifaschist_innen von einer Person in der Nähe des weilheimer Bahnhofs angegriffen. Der Angreifer pöbelte einen Antifaschisten zuerst aus seinem Auto an. Als der Antifaschist sich erkundigte wo das Problem liege wurde er als „scheiß Kanacke“ bezeichnet, was in einer verbalen Auseinandersetzung endete. Nachdem ein zweiter Antifaschist sich einschaltete stieg die Person zurück in ihr Auto und wurde mit vulgären Gesten verabschiedet. Nachdem die beiden Antifaschisten die Bahnhofstraße verlassen hatten und in die münchner Straße einbogen rannte der Angreifer unter „ich kriege euch Wichser“ rufen den beiden hinterher und machte Anstalten einen der beiden ins Gesicht zu schlagen. Dieser Angriffsversuch wurde mittels Pfefferspray unterbunden. Dennoch bestand der Pfefferspray -Fan auf eine zweite Runde: Anstatt den Aufforderung der Antifaschist_innen, sich ihnen nicht zu nähern und sich zu entfernen, nachzukommen zog er ein Klappmesser und ging mit den Worten „jetzt bist du drann“ erneut auf die Antifas los. Die Attacke scheiterte allerdings an einer Überdosis Oleoresin-Capsicum was auch die Auseinandersetzung beendete.

Die für Murnau angeforderte Bereitschaftspolizei nahm es nicht sehr sportlich, dass sie nicht zur gegen 15:30 stattfindenden Antifademo eingeladen wurde. Insofern konnten Reisende auf der B2 zwischen Murnau und Weilheim mehrere vollbesetzte Sixpacks dabei beobachteten wie sie sich mittels Blaulicht nach Weilheim begaben. Die Demo selbst konnte ohne Komplikationen aufgelößt werden, im Anschluss ließ es sich die wohl etwas frustrierte Polizei nicht nehmen alle Personen in schwarzen Klamotten am Bahnhof zu kontrollieren und diesen bei ca -3° ihre Socken auszuziehen. Da aber bei keiner der kontrollierten Personen die gesuchten Gegenstände(Transparente, Flyer) gefunden werden konnten blieb es bei Personalienfeststellung.

Der Infostand am murnauer Weihnachtsmarkt blieb eher mäßig erfolgreich, was zum Großteil auf die Kappe der Polizei geht, die per Auflage durchsetzte dass sich die Versammlung hinter dem Tisch aufhalten zu hat, und nicht auf Passanten zugehend geflyert werden dürfe.

Aus den meisten der wenigen geführten Gesprächen mit Passanten ging hervor dass zwar die Inhalte der Antifaschist_innen nicht wirklich geteilt werden würden, aber es gut sei dass im Gegensatz zum bürgerlichen „Werdenfelser Bündniss“ „wenigstens Jemand etwas macht“. Doch auch das „Werdenfelser Bündniss“ hat einen Erfolg zu verbuchen: dank antifaschistischer Intervention ist jetzt wenigstens (im Gegensatz zum restlichen Murnau) die Fassade ihres geistigen Verwandten Matthias Polt bunt, und nicht braun.

Naziaktivitäten in Weilheim

Wie die weilheimer Polizei auf dem Portal „Bayregio“ verlauten ließ erzielte sie letzten Donnerstag einen außergewöhnlichen „Erfolg“, sie stellte mit nur einer Streifenwagenbesatzung 2 Jugendliche „Graffiti-Sprayer“. Jedoch erscheint dieser bedauerntswerte Umstand beim zweiten Hinsehen in einem anderen Licht: Nicht nur dass die Beiden 17. und 20. Jährigen kein sonderliches Talent im Umgang mit Farbe aufweisen, sondern auch der Inhalt ihrer Werke ist durchaus fragwürdig.

Neben den inhaltslosen und nicht besonders gelungenen Tags „Slim“ , „Ela“ , „Hype“ und „Fuck -WC-“(gemeint ist der wohl nicht minder provinziell veranlagte Sprüher „Weilheim Crime) wurden auch die sowohl inhaltlich sowie optisch abstoßende Tags „Fuck Antifa“, „NPD“ , „Rewind“ und diverse Hakenkreuze zur schau gestellt. Die vor Ort vorgefundenen Tags der Crew „CSD“ wurden versucht zu crossen

Ausserdem wurden einige Tags in das 25m lange „COMMUNISMUS STATT DEUTSCHLAND“ Bild gesetzt.

Ebenso wurde ein „ACAB“ Bombing durch „Slim“ gecrosst.

Aufgrund der Schriftbilder lässt sich mit hohe Wahrscheinlichkeit sagen das zumindest die Tags „Fuck Antifa“, „ELA“ und „HYPE“ aus ein und der selben Feder stammen.

Hinweise bezüglich den beiden Tätern nehmen wir vertraulich unter „aawm@riseup.net“ an.

Nazitoys auf die Gleise nageln!

UPDATE: Die neonazistischen Schmierereien wurden mittlerweile gecrosst, das „Communismus statt Deutschland“ wurde offenbar „repariert“.

Auf nach Geiselhöring!

Wir zitieren hier den Aufruf der Straubinger Genoss_innen:

Der Wikingerversand in Geiselhöring ist einer der wichtigsten neonazistischen Versände in ganz Deutschland. Egal ob rechtsextreme Tonträger, Kleidung, Literatur – alles was der kaufwütige Nazi sucht, findet er hier. Mit dem Verkauf dieser Artikel werden jährlich ca. 500.000€ umgesetzt (laut a.i.d.a.).

Im Februar 2010 wurde außerdem bekannt, dass ein Pils Pub direkt neben dem Verkaufsraum eröffnet werden soll. Zwar soll es sich hierbei um ein „politikneutrales, rein wirtschaftliches Vorhaben“ handeln, jedoch liegt es auf der Hand, dass damit nur neue Räume für die niederbayerische Naziszene erschlossen werden sollen.

Dennoch gilt Betreiber Siegfried Birl, ehemaliger Landesvorsitzender der JN in Bayern und NPD Mitglied, laut Bürgermeister Krempl als „Geschäftsmann unter vielen“. Gleichzeitig jedoch wurde in der Vergangenheit antifaschistisches Engagement kriminalisiert und diffamiert.

Mehrmals im Jahr wird Geiselhöring schließlich zum Anlaufpunkt zahlreicher Neonazist_innen. Anlass hierfür sind die sog. „Sonderverkäufe“, bei denen sich in gemütlicher Atmosphäre über die rechte Gesinnung ausgetauscht und die neueste Rechtsrock-CD oder das neueste T-Shirt, mit dem die absurde Gesinnung zum Ausdruck gebracht werden soll, gekauft wird. Dieses „Event“ zieht jedes Mal wieder eine Vielzahl von Besucher_innen an.

Am 11. Dezmeber soll in Geiselhöring wieder ein solcher Sonderverkauf stattfinden…

Schon viel zu lange kann der Wikingerversand nahezu ungestört Artikel, hinter denen ein nationalistisches, rassistisches, antisemitisches und geschichtsrevisionistisches Weltbild steckt, verbreiten. Im Rahmen der antifaschistischen Kampagne „Wikingerversand dichtmachen // reloaded“ wollen wir daher alle an diesem Tag nach Geiselhöring und zeigen, dass es für Naziläden und die damit verbreitete Gesinnung keinen Platz gibt.

NAZILÄDEN SCHLIESSEN

ES GIBT KEIN RUHIGES HINTERLAND

ANTIFA DEMO: 13.00 BAHNHOF GEISELHÖRING | INFOS: WWW.WIKI-WEG-RELOADED.TK

für infos checkt die Mobipage

Antifa Actionday 2010

Wir zitieren hier den Kurzaufruf zum 2. münchner Antifa Actionday, gefunden auf der Mobipage

Wir treffen uns zur gemeinsamen Anreise am 13.11 um 9:40 in der Halle des Weilheimer Bahnhofs!

3.11.10 München: Antifa Actionday
Gegen Naziaufmarsch, Militär und kapitalistischen Normalbetrieb!

Für den 13.11.2010 mobilisieren bayrische Neonazigruppen zu einem sogenannten „Heldengedenkmarsch“ durch München. Nach 2008 und 2009 ist dies ihr dritter Anlauf, anlässlich des nationalsozialistischen „Heldengedenktags“ in München zu demonstrieren.
Dadurch sollen Wehrmachts- und SS-Soldat_innen* zu „Helden“ verklärt und deren Verbrechen relativiert werden. Doch das werden wir nicht zulassen.
Geschichtsrevisionismus z.B. die Verfälschung historischer Tatsachen war schon immer eines der attraktivsten Betätigungsfelder der Neonazis, wie bei den „Heldengedenkmärschen“, dem Naziaufmarsch am Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 08. Mai diesen Jahres, aber auch an den bundesweit bedeutendsten Naziaufmärschen in Dresden (Bombardierung der Stadt im zweiten Weltkrieg), in Bad Nenndorf (britisches Gefangenenlager für deutsche Nazis nach dem Krieg) oder in Dortmund, wo Nazis anlässlich des Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen 1939 demonstrieren, zu sehen ist.
Es geht ihnen mit dieser Umdeutung der Akteur_innen, Orten und Begriffen einerseits darum, den historischen Nationalsozialismus im Ganzen rein zu waschen und ihn damit als Gesellschaftsordnung für die Gegenwart wieder denkbar zu machen. Andererseits versuchen sie so, die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gegen Jüd_innen, Rom_nija und Sinti_za, den hundertausendfachen Mord an „Behinderten“, Homosexuellen, Transgender und Antifaschist_innen sowie den Krieg zu verherrlichen.
Weil auch heute Faschist_innen verantwortlich für Übergriffe und Morde an Personen sind, die nicht in ihr nationalsozialistisches Weltbild passen, ist es wichtig sich ihnen gemeinsam in den Weg zu stellen.
Schon in den beiden letzten Jahren gab es massive Proteste gegen die „Heldengedenkmärsche“ und auch in diesem Jahr wollen wir alles daran setzen, eine solche Verherrlichung der Nazis und ihrer Taten unmöglich zu machen. Nachdem bereits 2008 ca. 1000 Menschen gegen den Naziaufmarsch protestiert hatten, nahmen im Jahr darauf etwa 3000 Leute an den Gegenprotesten teil. 2009 beteiligten sich über 700 Menschen an der linksradikalen Vorfelddemo, bei der über die direkten Proteste hinaus, antifaschistische, antikapitalistische und antimilitaristische Inhalte verbreitet wurden.
Es kam zu Blockadeversuchen und vielen kreativen Aktionen – gerade auch von Viertelbewohner_innen – gegen die Nazidemo, die in der Folge nach der Hälfte der Route vom Versammlungsleiter abgebrochen wurde. Auch im Mai diesen Jahres gelang es ca. 4500 Nazigegner_innen einen Marsch durch München-Fürstenried nach wenigen hundert Metern zu blockieren. Zuvor waren bereits etwa 800 Antifas anlässlich des Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus durch die Münchner Innenstadt demonstriert.
An diese Erfolge wollen wir auch am 13.11.2010 anknüpfen und mit Euch allen gemeinsam den Naziaufmarsch unmöglich machen, sowie antifaschistische, antikapitalistische, antimilitaristische und linksradikale Inhalte pushen.

Kommt also am 13.11. nach München!
Vermiesen wir den Nazis gemeinsam den Tag!
Für eine befreite, klassenlose Gesellschaft!

*Um symbolisch Raum zu lassen für Menschen, die sich in der zweiseitigen Geschlechterkonstruktion in „Männer“ und „Frauen“ nicht wiederfinden, verwenden wir durchgängig die Schreibweise mit Unterstrich.
Wir schreiben hier bewusst „Soldat_innen“, weil es in Wehrmacht, SS und sonstigen Militäreinheiten auch Frauen gab – freilich zumeist in niedrigeren Dienstgraden. Sie waren nicht nur in der zivilen Unterstützung oder als Arbeiterinnen in der Waffenproduktion und -lieferung tätig, sondern auch als Teil der uniformierten, kämpfenden Truppen aktiv, zum Beispiel als KZ-Aufseherinnen.

Infotische am 2.10

Am 2.10 waren über den Tag verteilt mehrere Infotische in Weilheim und Schongau aufgebaut. Neben einigen Exemplaren der Zeitung „Straßen aus Zucker“ , einem Flyer zur Bayrischen Asylpolitik am Beispiel des Flüchtlingslager in Schongau wurden nationalismuskritische Flugblätter verteilt deren Inhalt wir hier dokumentieren möchten:

Deutschland, Deutschland Party Party?!

Wohin mensch auch blickt, überall scheint es Anlässe zu geben Deutschland zu bejubeln. In Bremen finden zur Stunde riesige Feierlichkeiten zum Jahrestag der Annektierung der DDR zur BRD statt. Anstatt sich während der Krise Gedanken
über die Zumutungen die ihnen das kapitalistische System bereitet zu machen stellen sich die meisten Menschen lieber geschlossen hinter ihre Nation um die im Konkurrenzkampf vermisste Einheit und Solidarität zu suchen.

Nationen sind immer ein Ausgangspunkt von Kriegen, Ausgrenzung und Gewalt, egal, wie fortschrittlich und aufgeschlossen diese sich auch geben mögen. Doch Nationen sind keineswegs etwas natürliches, dem Menschen Innewohnendes, sondern genau wie Kultur, Religion etc. immer eine freiwillige Entscheidung die man trifft. Was die Nation jedoch so besonders macht ist ihre Aufgabe, die sie innerhalb der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft übernimmt. Nämlich die, das marktwirtschaftliche Hauen und Stechen in einem Rahmen ablaufen zu lassen, der garantiert, dass selbiges auch weiterhin statt finden kann. Denn die Insassen der jeweiligen Nation haben schließlich ihrer eigenen Ideologie nach die Verpflichtung ihre eigenen Interessen denen der Nation unter zu ordnen. Wer sich dem verweigert, wird entweder zur turbokapitalistischen Heuschrecke, oder zum asozialen Sozialschmarotzer erklärt. In jedem Fall also ein „Volksfeind“, den es zu bekämpfen gilt.

Nationen sind exklusive Kollektive. Das bedeutet das sie ihre Zugehörigkeit über Abgrenzung zum ihr vermeintlich Fremden definiert. Dies konstruiert immer eine Eigen-, und eine Fremdgruppe. Dies bekam v.a. während der WM 06 alles „undeutsche“ wie z.B. Pizzerien und Dönerbuden zu spüren die vom deutschen Partymob gestürmt wurden. Das Deutschland kein Grund zum feiern ist sollte auch spätesten nach den Pogromen von Rostock Lichtenhagen und Hoyerswerda. klar sein, stellen diese doch den ersten Akt des „wiedervereinigten“ Deutschen Volks dar.

Ein Leben jenseits von Konkurrenzzwang, Hierarchien, Antisemitismus und Rassismus lässt sich nicht durch Reformen der herrschenden Verhältnisse realisieren, sondern kann sich nur außerhalb der Herrschaftsimperative von Staat und Kapital entwickeln.

Der staatlich organisierten Konkurrenzwirtschaft setzen wir die freie Assoziation
der Individuen entgegen!
Für den Kommunismus!